Aktuelles aus dem Projekt

Die Glasmalereien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Nürnberg: Lorenzer Stadtseite

Keine andere Stadt in Deutschland bewahrt einen so reichen Schatz an mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Glasgemälden wie Nürnberg. Zwei Bände in drei Teilen sind bereits 2002 und 2013 erschienen. Nun legt ihr Autor Hartmut Scholz einen weiteren, wiederum zwei Teile umfassenden Band vor, jenen zur Lorenzer Stadtseite mit der Pfarrkirche St. Lorenz als der namengebenden Hauptkirche.

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Mit dem zweibändigen Werk über die Glasmalereien der Lorenzer Stadtseite kommt die wissenschaftliche Erschließung des umfangreichen Nürnberger Denkmälerbestands im Rahmen des Corpus Vitrearum zu ihrem Abschluss. Im Mittelpunkt stehen die Farbverglasungen in der Pfarrkirche St. Lorenz, der Pilgerspitalkirche St. Martha und der ehemaligen Deutschordenskirche St. Jakob.

Die knapp 800 Scheiben der Farbfenster in Chor und Langhaus der Lorenzkirche bilden sowohl qualitativ als auch quantitativ den herausragenden Kernbestand, der durch eine einzigartige Überlieferung in Schrift und Bild über die Jahrhunderte hinweg hinsichtlich seiner wechselvollen Geschichte dargestellt, kunsthistorisch verortet und in seinem Erhaltungszustand dokumentiert wird. An der Ausführung der Farbverglasung im neuen Hallenchor waren neben der Straßburger Werkstattgemeinschaft Peter Hemmels, der das berühmte Volckamer-Fenster zu verdanken ist, die Nürnberger Werkstätten Hans Pleydenwurffs und Michael Wolgemuts, aber auch Regensburger und Bamberger Glasmaler beteiligt. Absolute Glanzlichter dürerzeitlicher Glasmalerei sind durch die Stiftungen der Patrizierfamilien Löffelholz und Schmidmayer im Langhaus von St. Lorenz vertreten, geschaffen in der Werkstatt des Stadtglasers Veit Hirsvogel nach Entwürfen von Hans Baldung Grien und Albrecht Dürer.

Die Chor- und Langhausfenster der Marthakirche stammen aus leistungskräftigen Nürnberger Großwerkstätten, die um 1400 auch den überregionalen Markt bis Thüringen (Erfurt, Mühlhausen), Altbayern (Amberg, München) und Schwaben (Ulm) bedienten. Überdies werden erhaltene und überlieferte Glasgemälde aus abgegangenen Bauten Nürnbergs erfasst, darunter die Kartause, das Karmeliterkloster und die beiden Frauenklöster der Klarissen und Dominikanerinnen, St. Klara und St. Katharina. Und nicht zuletzt werden die in alle Welt verstreuten Glasgemälde aus dem Tucher’schen Gartenhaus in der Grasersgasse wieder an ihrem ursprünglichen Standort behandelt, mit den berühmten Dreipassscheiben des reitenden Tods und Propst Sixtus Tuchers am offenen Grab, ebenfalls nach Dürer.

Hartmut Scholz, Die Glasmalereien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Nürnberg: Lorenzer Stadtseite, 2 Bde. (Katalog / Regesten, Tafeln, Register) (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland X,3), Berlin 2019, ISBN 978-3-87157-252-4, 148,00 EUR

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