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Eine neu entdeckte Zeichnung von Hans Schäufelein

Auf seinem Weg von Nürnberg nach Meran machte Hans Schäufelein 1507 auch in dem reichen Bergwerksort Schwaz Station. Dort entwarf er, wie der überraschende Fund einer Zeichnung von seiner Hand beweist, für den Froner Heinrich Zehentner und dessen Ehefrau ein Glasfenster, vermutlich für die neu erbaute Filialkirche Unserer Lieben Frau.

Hans Schäufelein, Entwurf für ein Glasfenster mit der Beweinung Christi und dem Stifterpaar Heinrich Zehentner und Caritas Hofstetter, 1507. Arezzo, Museo Nazionale d'Arte Medievale e Moderna, Inv. Nr. 109. Foto: Francesco Bini, Wikimedia Commons, licensed by CC BY-SA 3.0, url: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0 (letzter Zugriff am 26.09.2019).

Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass der Maler und Grafiker Hans Schäufelein sich nach seiner Zeit als Mitarbeiter von Albrecht Dürer (ca. 1503‒1507) für etwa zwei Jahre in Tirol aufgehalten hat. Dort ist er mit einem kleinen Œuvre zu fassen, dem sich als überraschender Fund ein weiteres Werk hinzufügen lässt: der Entwurf für ein Glasfenster, das der Froner (Bergwerksbeamte) Heinrich Zehentner und seine Frau Caritas Hofstetter für die neu erbaute Filialkirche Unserer Lieben Frau in Schwaz geplant haben dürften. Das 1507 datierte Blatt im Museo Nazionale d'Arte Medievale e Moderna von Arezzo ist auf Schäufeleins Reise von Nürnberg nach Meran entstanden. Es zeigt einen Ausschnitt aus einem dreibahnigen Fenster, in der Mitte die Beweinung Christi, seitlich die Bilder von Stifter und Stifterin mitsamt Wappen, darunter eine Inschrift mit dem Datum 1507. Aus dem Umfeld, in dem der Stifter Heinrich Zehentner sich bewegt hat, führen vielerlei Spuren nach Nürnberg, sodass Schäufelein seine Reise nach Tirol möglicherweise mit der konkreten Aussicht auf Aufträge angetreten hat.

Uwe Gast, Eine neu entdeckte Zeichnung von Hans Schäufelein. Der Entwurf für ein Stifterfenster des Froners Heinrich Zehentner in Schwaz, in: Wissenschaftliches Jahrbuch der Tiroler Landesmuseen 2019, S. 9‒21.