Aktuelles aus dem Projekt

Zwei Glasgemälde mit den Wappen Albertinelli und Giorgini in Coburg und der „Mohrenkopfpokal“ von Christoph Jamnitzer

Seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen, 1996 wiederentdeckt und im Jahr 1999 bei Sotheby’s, London, für 1,6 Mio. Pfund versteigert (FAZ vom 18.12.1999, S. 53), ist der „Mohrenkopfpokal“ im Bayerischen Nationalmuseum München schon aufgrund seiner Geschichte eines der spektakulärsten Objekte des Hauses. Er ist zwar gut erforscht, doch ließ sich erst jetzt – nicht zuletzt dank zweier Glasgemälde in Coburg – sein Auftraggeber und erster Besitzer ermitteln.

Auftraggeber und erster Besitzer des Deckelpokals war der 1568 aus Italien nach Nürnberg eingewanderte, für das dortige Handelshaus Torrigiani & Co. tätige Kaufmann Carlo Albertinelli (1552–1620). In Nürnberg war Albertinelli Teil einer größeren Community italienischer Kauf- und Handelsleute, die sich durch Finanzkraft und Immobilienbesitz, aber auch Kunststiftungen und Sammlungen, ja sogar musische Aktivitäten auszeichneten. Wie sein Geschäftskollege Benedetto di Bartolomeo Giorgini war Albertinelli Stifter von Glasgemälden – unter anderem wohl von der Hand des Nürnberger Glasmalers Andreas Stein. Zudem war er Mitglied der Nürnberger „Kränzleinsgesellschaft“, eines Musikkollegiums, bei dessen Zusammenkünften der „Mohrenkopfpokal“ möglicherweise als „Willkomm“ zum Einsatz kam. Die heraldischen Zeichen an diesem in Nürnberg von dem Goldschmied Christoph Jamnitzer zwischen 1593/94 und 1602 geschaffenen Kunstobjekt deuten jedenfalls auf Carlo Albertinelli.

Uwe Gast und Christa Syrer, Zwei Glasgemälde mit den Wappen Albertinelli und Giorgini in Coburg und der „Mohrenkopfpokal“ von Christoph Jamnitzer. Italienische Kauf- und Handelsleute in Nürnberg, ihr Netzwerk und ihre Kunstaufträge, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 74, 2020, S. 9–32.