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Chor, Fenster s II (Standfigurenfenster), Gesamtansicht

Gesamtansicht

                             

Erhaltungsschema

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Beschreibung

Der im Fenster süd II untergebrachte Standfigurenzyklus von Heiligen war einer Beschreibung von Victor C. Habicht zufolge 1913 noch wesentlich umfangreicher und zeigte fünf übereinander befindliche Streifen mit jeweils drei Heiligenfiguren: "In der obersten Reihe (immer von links nach rechts): 1. Eine weibliche Heilige mit Reliquienmonstranz, 2. Eine weibliche Heilige mit dem Kirchenmodell, 3. Die Hl. Katharina mit dem Rade; in der folgenden Reihe: 1. Hl. Anna Selbdritt, 2. Weibliche Heilige mit der Lilie, 3. Weibliche Heilige mit Palme; in der folgenden: 1. Weibliche Heilige mit Kelch, 2. Weibliche Heilige mit dem Ostensorium, 3. Hl. Maria Magdalena mit Salbbüchse; in der folgenden: 1. Hl. Thaddäus(?), 2. Hl. Jacobus major, 3. Hl. Petrus; in der folgenden: 1. Hl. Georg, 2. Johannes Evangelist, 3. Hl. Caspar(?)"1. Da nur vier der beschriebenen Standfiguren sowie zwei Halbfiguren noch weitgehend alte Glassubstanz besitzen, liegt die Vermutung nahe, dass das Fenster im Zuge der Regotisierung – möglicherweise auf der Basis der noch in Ansätzen erhaltenen mittelalterlichen Situation – erneuert und komplettiert worden war.

Trotz der augenscheinlichen Verbindungen zum regionalen Weichen Stil zeigen die schlanken, lyrisch gestimmten Heiligenfiguren im südlichen Chorfenster nicht nur eine höhere künstlerische Qualität als die Heiligenlegenden, sondern auch Berührungspunkte mit dem Niederwildunger Altar des Conrad von Soest (1403). Ferner weisen die überlieferten Bestandsgruppen in der Marktkirche trotz grundsätzlich einheitlichen Formenvokabulars doch einige Unterschiede im Figuren- und Faltenstil sowie in der Bildflächengliederung auf, die möglicherweise mit einem geringen zeitlichen Abstand in der Herstellung beziehungsweise mit einem abweichenden Vorlagenmaterial ein und derselben Werkstatt erklärt werden können.

Einzelscheiben:

3/4a: Hl. Elisabeth mit Kirchenmodell

3/4b: Hl. Katharina

3/4c: Weibliche Heilige mit Monstranz (Barbara?)

5/6b: Hl. Johannes Evangelist

5c: Obere Figurenhälfte einer weiblichen Heiligen mit Monstranz

Die Halbfiguren in den Fensterfeldern 5a (Hl. Judas Thaddäus), 6a (Heilige mit Buch und Palmzweig) und 6c (Hl. Maria Magdalena) sind Neuschöpfungen des Glasmalers Heinrich Horn von 1854.

  1. Victor C. Habicht, Die gotische Kunst der Stadt Hannover. Ein Beitrag zur niedersächsischen Kunstgeschichte, in: Hannoversche Geschichtsblätter 16 (Heft 1), 1913, S. 233–285, hier S. 282.»