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Chor, Fenster I, Wappen der Grafschaft Brehna, des Herzogtums Berg und des Herzogtums Kleve (I, 5–7a–c)

Detailansicht

Erhaltungsschema

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Beschreibung

Folgt man der Annahme, die obere Reihe des Fensters zeige ebenso wie die untere Reihe Wappen, die im Spätmittelalter vom sächsischen Herzogshaus geführt wurden, so wurden die drei Wappen 1886–1889 falsch rekonstruiert. Die Wappen des Herzogtums Kleve (in Rot ein silberner Mittelschild, aus dem strahlenförmig acht lilienförmige Szepter hervorstehen) und des Herzogtums Berg (in Silber ein roter, blaugekrönter Löwe) wurden erst 1609 als Anspruchswappen in das kursächsische Gesamtwappen aufgenommen und widersprechen somit einer authentischen Rekonstruktion des spätmittelalterlichen Wappenbestandes. Auch der in Bahn 1 platzierte Schild von Brehna (in Silber drei (2, 1) rote Seeblätter) wurde heraldisch fehlerhaft ergänzt. Die Helmzier Brehnas weist zwar ebenfalls seitwärts eines rotgestülpten goldenen Hutes zwei Stangen auf, doch sind sie nicht, wie es hier der Fall ist, um insgesamt vier, sondern lediglich um zwei Pfauenbüschel bereichert. Das Zimier mit den vier Pfauenbüscheln ist dagegen dem Wappen der Grafschaft Orlamünde zuzuordnen, das die sächsischen Herzöge seit der Mitte des 15. Jahrhunderts führten. Der korrekte Platz des Brehnaer Schildes wäre demnach, sollte das Königliche Institut seinerzeit eine heraldisch fehlerfreie Ergänzung und Anordnung angestrebt haben, in der mittleren Bahn gewesen, worauf die mittelalterlichen Fragmente zweier Pfauenbüschel im Feld 7b schließen lassen, denn neben Orlamünde besitzt von den vom Herzog von Sachsen geführten Wappen nur noch Brehna Pfauenbüschel im Helmkleinod. War die gesamte Wappenreihe einst Bestandteil des von Johann Christoph Bekmann, Chronist der sächsischen Herzogtümer und der Mark Brandenburg, im 18. Jahrhundert erwähnten Fensters mit dem „volkommene[n] Sächsische[n] wapen“, so wurden die Wappen von Orlamünde und Brehna in Bahn 3 wohl vom Wappen einer weiteren Grafschaft in kursächsischer Hand begleitet, wie etwa Landsberg, Eisenberg oder Altenburg (Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern […], ergänzt, fortgesetzt und hg. von Bernhard Ludwig Bekmann, 2 Bde., Berlin 1751 und 1753, Bd. 2, Sp. 310).

Altmark-Werkstatt, um 1460/70 (5b/c, 6c und 7c zur Gänze, 5a und 6b größtenteils Königliches Institut für Glasmalerei, Berlin, 1886–1889).

Zugehörige Aufnahmen im Bildarchiv