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Chor, Fenster I, Wappen der Landgrafschaft Thüringen, des Herzogtums Sachsen und der Markgrafschaft Meißen (I, 2–4a–c)

Detailansicht

Erhaltungsschema

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Beschreibung

Die drei Wappen zeigen – zusammen mit den Wappen im Chorfenster s II – die ranghöchsten Besitztümer und Titulaturen der Herzöge von Sachsen. In der mittleren Bahn sieht man das Wappen des Herzogtums Sachsen. Es ist zwar in den unteren zwei Zeilen nicht mehr original, wurde allerdings in den Jahren 1886–1889 richtig ergänzt. Der Schild ist achtfach schwarz-golden geteilt und mit einem schrägrechten grünen Rautenkranz belegt. Aus dem gekrönten Helm ragt ein spitzer Hut hervor, der ebenfalls gekrönt und achtfach schwarz-golden geteilt ist und einen aufgelegten Rautenkranz besitzt. Aus seiner Krone wächst ein Pfauenbüschel hervor. Schild und Zimier werden von einer schwarz-goldenen Helmdecke begleitet. Die beiden flankierenden Wappen sind größtenteils original. Heraldisch rechts steht für die Landgrafschaft Thüringen auf blauem Grund ein achtmal von Silber und Rot geteilter Löwe. Aus dem gekrönten Helm ragen zwei geschlossene, mit jeweils sechs Kleestängeln besetzte silberne Hörner. Die Decken sind heraldisch rechts blau und silbern, links rot und silbern. Der Schild der Markgrafschaft Meißen auf der heraldisch linken Fensterseite zeigt in Gold einen schwarzen, ungekrönten Löwen. Das Helmkleinod ist ein männliches Brustbild mit einem gestülpten Hut, der ebenso wie das Gewand von Rot und Silber mehrfach gespalten ist. Der Hut ist mit einer Krone und Pfauenfedern besteckt. Die Decke des Wappens ist rot und silbern.

Die Wappen könnten ursprünglich, zusammen mit den heute darüber angeordneten Wappenfragmenten, in einem Fenster auf der Südseite des Chores angeordnet gewesen sein. Johann Christoph Bekmann, Chronist der sächsischen Herzogtümer und der Mark Brandenburg, berichtet 1753 von einem Fenster, welches das „volkommene Sächsische wapen in unterschiedene stükke“ zeige (Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern […], ergänzt, fortgesetzt und hg. von Bernhard Ludwig Bekmann, 2 Bde., Berlin 1751 und 1753, Bd. 2, Sp. 310). Unterhalb der Wappenreihen war, so Bekmann, eine Inschrift angeordnet, die einen Kurfürsten von Sachsen als Stifter nenne. Die 1889 erfolgte Platzierung der drei Wappen in die rangniederen unteren Zeilen des Fensters ist aus heraldischer Sicht nicht statthaft, denn den drei vornehmen Besitztümern gebührt ein ausgezeichneterer Standort, etwa in den mittleren oder oberen Zeilen des Fensters.

Altmark-Werkstatt, um 1460/70 (2/3b Königliches Institut für Glasmalerei, Berlin, 1886–1889).

Zugehörige Aufnahmen im Bildarchiv