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Chor, Fenster s II, Darbringung im Tempel und Hl. Jakobus (s II, 12–14a–c)
Detailansicht
Erhaltungsschema
Beschreibung
Die Darbringung des Kindes im Tempel nach dem Lukasevangelium (Lc 2,22–38) vereint das Reinigungsopfer Mariens am vierzigsten Tag der Geburt mit der eigentlichen Darbringung des Erstgeborenen im Tempel und die Begegnung mit Simeon. Die Szene ist eingebettet in einen rechteckig gerahmten Kastenraum, dessen sakrale Funktion durch den hinter Simeon sichtbaren gemauerten Altar verdeutlicht wird. In der Bildmitte steht die sich leicht nach links drehende Muttergottes. Mit beiden Händen hält sie den nackten Christusknaben, der, das Obergewand der Mutter unter den Füßen, auf der Mensa steht, die Hand zum Segensgestus erhoben. Der von links dazutretende Simeon, bekleidet mit der Kopfbedeckung eines jüdischen Priesters, hat beide Hände erhoben, um nach dem Kind zu greifen.
Rechts, der Gruppe zugewandt, steht ein bärtiger Heiliger, der durch seine Kleidung mit Pilgerhut und Stab als Jakobus identifiziert werden kann. Auch wenn die Figur in weiten Teilen eine Erneuerung des 19. Jahrhunderts darstellt, überrascht die Anwesenheit des Pilgerheiligen an einem Ort wie Wilsnack nicht. Vielmehr steht Jakobus stellvertretend für die Vielzahl der nach Wilsnack wallfahrenden Pilger. Er ist Zeuge der Darbringung des Christusknaben im Tempel, die in Verbindung mit dem Altar als Hinweis auf den Opfertod Christi verstanden werden kann.
Altmark-Werkstatt, 1460/70 (12b und 13/14c Königliches Institut für Glasmalerei, Berlin, 1886–1889).