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Chor, Fenster s II, Seelenwägung (s II, 6–8a–c)

Detailansicht

Erhaltungsschema

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Beschreibung

Die zentrale Figur der Seelenwägung (Psychostasia) ist der Hl. Michael mit Plattenpanzer, Lanze und einer großen Zweischalenwaage. Mit beiden Beinen steht er auf einer lüstern nach einer Seele greifenden Teufelsfigur. Die in der linken Schale sitzende Seele eines Verstorbenen versucht, die Sünden aufzuwiegen. Gleich mehrere kleine Teufelsfiguren bemühen sich mit aller Kraft, die rechte Schale nach unten zu ziehen, um die Seele für sich zu gewinnen. Ein Engel legt helfend seine Hand auf die linke Waagschale. Als weitere Assistenzfigur erscheint am rechten Rand eine weibliche Heiligenfigur. Der wiederholt geäußerten Vermutung, es handele sich um Maria, ist nicht zuzustimmen. Diese ist in ihrer fürbittenden Funktion über der hier gezeigten Szene angeordnet. Durch das Schwert kann die Heiligenfigur als heilige Katharina identifiziert werden. Obwohl das Schwert in wesentlichen Teilen auf die Restaurierung 1886–1889 zurückgeht, erkennt man im mittelalterlichen Glasbestand in Feld 9c einen Knauf, der die Ergänzung plausibel erscheinen lässt. Den Nimbus der heiligen Jungfrau ziert, wie den des Erzengels, eine Phantasieinschrift. Die heilige Katharina erscheint in den Wilsnacker Fenstern ein weiteres Mal im Nordquerhausfenster (Fenster n VIII, 9b). Weitere Hinweise auf eine besondere Verehrung dieser heiligen Jungfrau in Wilsnack sind zwar heute nicht mehr zu erkennen. Dies könnte in vorreformatorischer Zeit allerdings anders gewesen sein, denn Johann Christoph Bekmann, Chronist der sächsischen Herzogtümer und der Mark Brandenburg, gibt in seiner Beschreibung der Kirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts an, dass sie ursprünglich der Hl. Katharina geweiht gewesen sei und der Hl. Nikolaus nur ein Nebenpatrozinium innehatte.1

Das Motiv der Seelenwägung ist von einem ovalen Medaillon und kräftigem Blattwerk eingefasst. In den Zwickeln erscheinen wiederum vier Prophetenfiguren mit Schriftbändern. Auch hier finden sich oben und unten die das Medaillon in einen Zyklus vertikal einbindenden Glieder.

Altmark-Werkstatt, 1460/70 (7c und 8a Königliches Institut für Glasmalerei, Berlin, 1886–1889).

Zugehörige Aufnahmen im Bildarchiv

  1. Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern […], ergänzt, fortgesetzt und hg. von Bernhard Ludwig Bekmann, 2 Bde., Berlin 1751 und 1753, Bd. 2, Sp. 309.»