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Chor, Fenster s II, Anbetung der Hl. Drei Könige (s II, 3–5a–c)

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Beschreibung

Die Darstellung der Anbetung des Kindes durch die drei Weisen aus dem Morgenland bildet einen Übergang zwischen dem ikonographischen Typus des 14. Jahrhunderts und einem neuen Typus, dessen Wurzeln in der burgundischen und niederländischen Tafelmalerei des frühen 15. Jahrhunderts liegen. Das Überreichen der Geschenke tritt zurück, die Anbetung wird dagegen betont. Von rechts treten die drei Könige an die Mutter-Kind-Gruppe in der Mitte des Bildes heran. Der älteste König ist vor dem Kind in Anbetung auf die Knie gesunken. Sein Geschenk, einen Vierpasskelch, hat er neben sich auf den Boden gestellt. Die beiden jüngeren Könige stehen hinter ihm. Im Unterschied zu einer der gleichen Werkstatt zugeschriebenen Anbetung in Werben (n VII, 3/4a–d) weist der zweite, ebenfalls bärtige König, noch der älteren Tradition verpflichtet, auf einen am Himmel aufleuchtenden Stern hin. Der dritte König trägt, wie auch in Werben, nicht mehr die einfache Krone, sondern einen modischen Kronenhut. Die Darstellung des völlig unbekleidet auf dem Schoß der Mutter stehenden Christusknaben stellt einen direkten Bezug zur Geburtsszene her. Dieser wird noch verstärkt durch die Aufnahme des Stalls mit Ochs und Esel sowie der Figur des Josef im linken Bildfeld. Während ein blaues Granatapfelmuster den repräsentativen Charakter der Szene hervorhebt, betont ein Landschaftshintergrund mit kleinen Bäumchen und angedeuteten Rasenstücken den natürlichen Ort des Geschehens. Die Szene wird von einem ovalen Medaillon gerahmt, um das sich Blätter ranken. In den Zwickeln erscheinen vier Propheten mit Schriftbändern, die beiden unteren sind durch ihre Kronen als Könige ausgewiesen. Vermutlich handelt es sich um die Propheten David und Salomo. Das Medaillon fügte sich in einen größeren Zyklus ein und war mittels kreisrunder Kettenglieder nach oben und unten mit weiteren Darstellungen verbunden.

Altmark-Werkstatt, 1460/70 (3a/b und 4b/c Königliches Institut für Glasmalerei, Berlin, 1886–1889).

Zugehörige Aufnahmen im Bildarchiv