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Langhaus, Fenster s VI, Verehrung der Eucharistie (s VI, 6–9a–c)

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Beschreibung

Das ikonographisch herausragende Motiv thematisiert die Vorzeigung des real präsenten Leibes Christi im eucharistischen Gottesdienst. Es wird in der Glasmalerei selten dargestellt. Vermutlich war es ursprünglich im zentralen Chorachsenfenster I angebracht.

Die Verehrung der Eucharistie findet in einer himmlischen, der Erde entrückten Sphäre statt. Die Engel beugen demutsvoll ihre Knie, um der geweihten Hostie in der Monstranz Ehrerbietung zu erweisen. Während der linke Engel am Körper lediglich eine Albe und um die Schultern ein Amikt trägt, hat sein Pendant auf der rechten Seite zusätzlich eine rote, mit einer gelben und grünen Borte verzierte Dalmatik übergestreift. Beide Alben sind am Ärmelrand mit einem roten, durchlaufenden Besatz verziert.
Die goldene Monstranz, die von beiden Engeln getragen und präsentiert wird, steht auf einem mehrpassigen Fuß, der in einen sechskantigen, von einem Nodus unterbrochenen Schaft übergeht. Die waagerecht aufsitzende Schauwand zeigt ein zweigeschossiges, stark ergänztes Turmgebilde. In den Tabernakelnischen seitlich des Schauzylinders stehen vier kleine goldene Figuren. Die beiden Äußeren sind als die Eltern Marias zu identifizieren. Links stützt sich Joachim auf einen Krückstock, um sein hohes Alter und seine Tätigkeit als Schäfer anzuzeigen. Rechts erkennt man Anna, ebenso wie im Fenster süd V als Matrone mit langem Kleid und Weihel und Wimpel dargestellt. Die beiden anderen Heiligen sind nicht eindeutig zu bestimmen.

Die Werkzeichnung einer Monstranz aus der Hand Hans von Kulmbachs zeigt im Aufbau derart viele Übereinstimmungen mit dem hier dargestellten Objekt, dass die Frage nach dem Entwerfer dieser Szene, so Hartmut Scholz, annähernd beantwortet werden kann.1

Nürnberg, Hirsvogel-Werkstatt, nach einem Entwurf von Hans von Kulmbach, 1514 mit Ergänzungen des 19. Jahrhunderts.

Zugehörige Aufnahmen im Bildarchiv

  1. Hartmut Scholz, Entwurf und Ausführung. Werkstattpraxis in der Nürnberger Glasmalerei der Dürerzeit (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Studien I), Berlin 1991, S.148.»