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Schulpforte, Ehemalige Zisterzienserklosterkirche

Einführung zum Standort

Abb. 1: Schulpforte, ehemalige Zisterzienserklosterkirche. Westfassade. (CVMA Deutschland Potsdam/Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Foto: Holger Kupfer, CC BY-NC 4.0)
Abb. 2: Schulpforte, ehemalige Zisterzienserklosterkirche. Außenansicht des Chors von Südosten. (CVMA Deutschland Potsdam/Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Foto: Holger Kupfer, CC BY-NC 4.0)
Abb. 3.: Schulpforte, ehemalige Zisterzienserklosterkirche. Chorinnenraum nach Norden mit Fenster nord IV und III. Zustand um 1890. (Archiv und Bibliothek der Landesschule Pforta, Schulpforte, Foto: Albrecht Meydenbauer)
Abb. 4.: Schulpforte, ehemalige Zisterzienserklosterkirche. Chorinnenraum nach Süden mit Fensterrose süd V. Zustand um 1890. (Archiv und Bibliothek der Landesschule Pforta, Schulpforte, Foto: Albrecht Meydenbauer)

Bis zur Auflösung im Jahr 1540 zählte das ehemalige Zisterzienserkloster Pforte (Porta, Pforta) zu einem der bedeutendsten und wohlhabendsten Klöster Mitteldeutschlands. Den Namen ‚Schulpforte‘ trägt die Anlage erst seit 1543, nachdem Herzog Moritz von Sachsen in dem leerstehenden Gebäudekomplex eine der drei sächsischen Fürstenschulen eingerichtet hatte. Das Gymnasium mit angeschlossenem Internat besteht übrigens noch heute als eine Einrichtung des Landes Sachsen-Anhalt.

Die Anfänge des Zisterzienserklosters gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. 1138 hatten sich hier, im weiten Tal der Saale, nur wenige Kilometer von Naumburg und seiner Kathedrale entfernt, die ersten Mönche niedergelassen. Einige Jahre später waren die Konventsgebäude bezugsfertig und die erste romanische Kirche liturgisch nutzbar. Durch einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung sahen sich die Brüder um die Mitte des 13. Jahrhunderts in der Lage, den erst etwas über hundert Jahre alten, aber wohl als ‚altmodisch‘ empfundenen Chor der Kirche samt Seitenkapellen gänzlich neu aufzuführen. Wie einer eingemeißelten Inschrift am südöstlichen Strebepfeiler zu entnehmen ist, erfolgte die Grundsteinlegung am 21. März 1251, am Festtag des Hl. Benedikt. Bei der feierlichen Weihe am Sonntag, den 2. September 1268, dürfte der Bau im Großen und Ganzen vollendet gewesen sein.

Von der mittelalterlichen Verglasung sind insgesamt 69 Felder unterschiedlichen Formats erhalten, die sich bis zum Ausbau 1942 auf vier Fenster verteilten. Vier weitere Felder, die der Glaskünstler und -Restaurator Heinz Hajna 1971/72 für die Nordrose neu angefertigt hat, komplettieren den Bestand. Im zweibahnigen Fenster nord III waren – bis zum Ausbau im Zuge des Zweiten Weltkriegs – fünf Rechteck- und zwei Kopfscheiben platziert, im vierbahnigen Fenster nord IV acht Rechteckfelder und vier Kopfscheiben, im Maßwerk sechs Zwickelscheiben sowie zwei Dreipässe. 29 von 33 Feldern der Nordrose und 13 der Südrose enthalten hohe Anteile mittelalterlicher Grisaillemalerei. Bis 2012 lagerten sämtliche Scheiben in einem Gebäude der Landesschule. Im Mai 2013 wurden die Felder der Nordrose wieder an ihrem ursprünglichen Standort eingesetzt, während für die restlichen Scheiben eine museale Präsentation vorgesehen ist.

Die heute vorhandene Farbverglasung der drei zweibahnigen Chorfenster I, nord II und süd II wurde 1893 von Alexander Linnemann, Frankfurt am Main, ausgeführt. Linnemann war es wohl auch, der die beiden Ornamentfelder anfertigte, die heute – als Kopien der mittelalterlichen Grisaillen – im Chorfenster nord IV, 3a/b zu sehen sind. Sämtliche Fenster des Quer- und Langhauses sowie der daran anschließenden Kapellen wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts in unterschiedlichen Etappen mit Grisaille- und Ornamentscheiben verschlossen, unter anderem aus dem Königlichen Institut für Glasmalerei, Berlin. In den 1990er-Jahren wurden die Fensteröffnungen des Lang- und Querhauses vollständig erneuert. Die seitlichen Chorfenster enthalten seit 1998 eine von Fred Krönke, Dresden, ausgeführte Blankverglasung, deren Bleinetz sich an die ornamentale Grundstruktur der mittelalterlichen Grisaillemuster anlehnt.

Literatur:

Cornelia Aman / Ute Bednarz / Maria Deiters / Markus Leo Mock / Juliane Schirr / Martina Voigt, Die mittelalterlichen Glasmalereien in Sachsen-Anhalt Süd (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland XIX,5), Berlin 2021, I, S. 339–379, Abb. 123–144.

Zugehörige Fenster

Grundriss

                        

Lage des Standorts