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Chor, Fenster s IV, Tod Marias mit geistlichem Stifter (s IV, 2a)
Detailansicht
Erhaltungsschema
Beschreibung
Aufgrund der Ausrichtung von Stifterfigur und Wappen nach links dürfte die Scheibe sich als Pendant zum Fenster n II ursprünglich im südöstlichen Chorfenster (s II) befunden haben, wo der Stifter auf Altar und Achsenfenster ausgerichtet war (s. Rekonstruktion). Nach der Rekonstruktion Rüdiger Becksmanns gehörte auch der linke Teil der Inschrift unter der Mater-dolorosa-Scheibe im Langhaus zu der Darstellung und verwies auf einen […] Michahel · Kirch… / […] Zu(o) · Waldkirch als Stifter1.
Inschrift: Auf dem Lünettenbogen die Jahrzahl: · 1 · 5 · 2 · 3.
Der Kopf des Stifters, der linke Engel im Lünettenbogen und ein kleines Stück des roten Damastgrundes wurden 1884 ergänzt. Sonst originaler, durch innenseitigen Lochfraß geschädigter Glasbestand, der großflächig kalt übermalt wurde.
Auch wenn die vorliegende Darstellung des Marientodes nicht Teil eines Zyklus zum Leben Marias war, so sticht sie als szenische Bilderzählung aus der Folge großformatiger Heiligenfiguren heraus. Dargestellt ist Maria auf dem Totenlager im Kreis der Apostel, über dem Kopfende des Bettes erscheinen Gottvater mit der Seele der Verstorbenen und die Taube des Hl. Geistes. Indem Johannes der Evangelist Maria eine Kerze reicht und dahinter Petrus bereitsteht, die Salbung vorzunehmen, während gegenüber ein weiterer Apostel sich um sein Weihrauchfässchen kümmert und alle anderen Apostel samt Stifter am Bett stehen oder knien und beten, ist die Szene als „moralisierendes Exempel des guten Todes“ zu deuten2. Kompositorisch verwandt ist eine hochrechteckige Tafel mit der gleichen Darstellung aus Kloster Bischenberg im Elsass (Strasbourg, Musée des Beaux-Arts, Inv. Nr. 1644), die Gert von der Osten in die Nachfolge Hans Baldung Griens eingeordnet und um 1520/25 datiert hat3.
Rechts unten kniet, nach links gewandt, der geistliche Stifter, der durch seine Almutie als Chorherr ausgewiesen ist und ein Angehöriger des St.-Margarethenstifts in Waldkirch gewesen sein dürfte, dem die Pfarrkirche zu Elzach inkorporiert war. Unter den mit Namen bekannten Geistlichen käme am ehesten Michael Kull († 1522) in Frage, der sowohl Pleban und Kaplan in Elzach als auch Kanoniker in Waldkirch war4; es ist aber fraglich, ob der Inschriftrest sich auf ihn beziehen lässt. Dass aber das silberne Wappen mit Hammer und Hufeisen vor ihm als sein Familienwappen gedeutet werden darf5, ist fraglich, da es sich eher um zwei übliche Abzeichen der Hufschmiede zu handeln scheint6, wie sie auch in einer Scheibenstiftung der Saalfelder Eisen- und Hufschmiede in der Stadtpfarrkirche begegnen7. Möglicherweise wurde der Wappenschild aus anderem Kontext hier eingeflickt und verweist über das bisher bekannte Stifterensemble hinaus auf eine verlorene Fensterstiftung der Elzacher (Huf-)Schmiede, die im mittelalterlichen Langhaus der Kirche situiert gewesen sein könnte8.
- Becksmann 1979, S. 41, 42f.»
- Josef Myslivec, Art. „Tod Mariens“, in: Lexikon der christlichen Ikonographie, hrsg. von Engelbert Kirschbaum u. a., Bd. 4, Rom u. a. 1972, Sp. 333–338, hier Sp. 336. Vgl. auch Gertrud Schiller, Ikonographie der christlichen Kunst, Bd. IV,2: Maria, Gütersloh 1980, S. 131–140.»
- Gert von der Osten, Hans Baldung Grien. Gemälde und Dokumente, Berlin 1983, S. 264, Nr. W 102. Weniger überzeugend ist der Hinweis von Rüdiger Becksmann auf eine Zeichnung Baldungs in Basel; Becksmann 1979, S. 41.»
- Die Investiturprotokolle der Diözese Konstanz aus dem 16. Jahrhundert, 2 Teile (I: Aach – Kurzenbach; II: Lachen – Zwiefaltendorf), bearbeitet von Franz Hundsnurscher (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A: Quellen 48), Stuttgart 2008, I, S. 220, 221, II, S. 990.»
- Becksmann 1979, S. 41.»
- Vgl. Alfred Grenser, Zunft-Zeichen und Handwerker-Insignien. Eine Heraldik der Künste und Gewerbe, Frankfurt am Main 1889, S. 46f.»
- Markus L. Mock, in: Cornelia Aman / Ute Bednarz / Markus L. Mock u. a., Die mittelalterlichen Glasmalereien in Thüringen ohne Erfurt und Mühlhausen (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland XX,1), Berlin 2016, S. 236. Das Wappen ist offenbar nach Befund erneuert.»
- Das Handwerk ist in Elzach seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Vgl. Josef Weber, Zur Geschichte der Stadt Elzach, [Elzach] 1978, S. 69.»