Die Stigmatisation des Heiligen Franziskus

Sichtbarkeit

Erfurt und Naumburg, 15.–19. Juli 2024

Formen des Sehens und Strategien der Sichtbarmachung

XXXI. Internationales Kolloquium des Corpus Vitrearum

Technologie, Erhaltung und Restaurierung von Glasmalereien

XII. Internationales Forum für die Konservierung und Technologie von historischen Glasmalereien

Die Frage danach, was genau man sehen kann – oder auch soll – ist mit der Gattung Glasmalerei in besonderer Weise verbunden, dennoch fehlte hier bisher eine systematische Beschäftigung mit dem Thema „Sichtbarkeit“. Dies will die Tagung in einer ersten Überschau leisten. Der Begriff hat sowohl ästhetische als auch religiöse, politische, soziologische und technologische Dimensionen. Bezogen auf die spezifische Materialität und Raumgebundenheit von Glasmalerei entstehen vielfältige Fragen in Bezug auf inszenierte, gelenkte und historisch immer wieder veränderte Sichtbarkeit.

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige

Glasmalereien entfalten mit ihrer Leuchtkraft eine enorme visuelle Präsenz im Raum, entziehen sich durch große Entfernung zum Betrachtenden oder einen problematischen Erhaltungszustand aber oftmals einer ungehinderten Wahrnehmung. Die Fähigkeit des lichtdurchlässigen Materials Glas, dem darauf Dargestellten immaterielle Qualität zu verleihen, diente der Sichtbarmachung und Vermittlung transzendentaler Glaubensinhalte. In welchem Verhältnis diese abstrakt-transzendierenden Wirkungsebenen zu konkret-bildlichen, „lesbaren“ Botschaften stehen, muss immer wieder neu diskutiert werden. Zugleich ließ sich das Medium zur Kennzeichnung von Raumhierarchien nutzen, für die neben der Abstimmung von Bildprogrammen auch Aspekte der Lichtführung und der gestaffelten Sichtbarkeit eine Rolle spielten.

Einzug Christi in Jerusalem

Das Generalthema berührt zudem technologische und restauratorische Kernfragen, welche die Untersuchung materialtechnischer Innovationen ebenso betreffen wie etwa den Bereich der Wiederherstellung und Präsentation fragmentarisch erhaltener Glasmalereien. Im öffentlichen Diskurs der letzten Jahre nimmt der Wunsch nach Wiedersichtbarmachung verlorener oder stark veränderter Kunstwerke einen zunehmend breiten Raum ein, der oftmals im Widerspruch zu den restaurierungsethischen und denkmalpflegerischen Leitlinien steht. Daneben leisten neue Konzepte der digitalen und musealen Präsentation einen Beitrag, um schwer einsehbare, deponierte oder über die Jahrhunderte veränderte Objekte visuell ansprechend zu erschließen und für die Forschung und Dokumentation dauerhaft zu sichern. Gerade im Zusammenhang mit Restaurierungsdebatten, historischen Veränderungen und Neukontextualisierungen zeigt sich zudem die politische Dimension von Wahrnehmung.

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige

Die in der wissenschaftlichen und praktischen Tradition des Corpus Vitrearum verankerte Zusammenarbeit von Kunsthistorikern und Restauratoren kann auf diesem Themengebiet also ihr ganzes interdisziplinäres Potential entfalten, das neben kunst- und architekturhistorischen, auch natur- und digitalwissenschaftliche Ansätze einbezieht. Damit können die Tagungsergebnisse auch allgemein die Forschungsdiskussion zur „Sichtbarkeit“ in den Kunst- und Kulturwissenschaften erweitern und befruchten.

Kooperationspartner und Förderer

  • Thürinigisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
  • Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt
  • Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz
  • Stadt Erfurt
  • Bistum Erfurt
  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz
  • Deutsche Forschungsgemeinschaft Projektnummer 540541590
  • Ernst von Siemens Kunststiftung
  • Union Académique International
  • Schott Glas
  • Universität Erfurt, Katholisch-Theologische Fakultät
  • Universität Erfurt, Professur für mittelalterliche Geschichte
  • Glashütte Lamberts

Programm

Montag, 15. Juli 2024 · Kolloquium

Erfurt, Dom, Coelicum

8.00–9.00 Registrierung für Kolloquium und Forum
9.00–10.30 Grußworte
Berichte der Nationalkomitees des Corpus Vitrearum
Bericht der Digital Unit
10.30–11.00 Kaffeepause
11.00–11.30 Einführung in das Generalthema
11.30–13.00 Sektion I: Konstituierung und Inszenierung des Raums (Teil 1)
  • Elizabeth Carson Pastan / Brigitte Kurmann-Schwarz, Seeing and Not Seeing the Transept Rose
  • Dobrosława Horzela, Visual Saturation as a Strategy for Fabricating History in Ecclesia Corporis Christi in Kazimierz
  • Ellen Shortell, Seeing Sequential Images in Glazed Cloisters: Lessons from Park Abbey (Leuven)
13.00–14.00 Mittagspause im Domkreuzgang
14.00–15.30 Sektion I: Konstituierung und Inszenierung des Raums (Teil 2)
  • Francine Giese / Sarah Keller, Oblique Light. Uncover a Hitherto Widely Unstudied Artistic Tradition of the Islamic World
  • Ute Bednarz, Vorhang aus Glas. Das Löwen- und Papageienfenster in der Erfurter Augustiner-Eremitenkirche
  • Isabelle Lecocq, Maximaliser la vision et la visibilité: prestige et présence du cadre et des encadrements architecturaux dans les vitraux des anciens Pays-Bas (XVe - XVIIe siècles)
15.30–16.00 Kaffeepause
16.00–17.00 Sektion I: Konstituierung und Inszenierung des Raums (Teil 3)
  • Aletta Rambaut, The Baroque Church Interior Visually Revalued. The Example of the Church of Our Lady of Hanswijk in Mechelen
  • Jean-François Luneau, Le vitrail de la coupole de la chapelle Saint Louis de Dreux
17.00–18.30 Besichtigung der Barfüßerkirche und Dominikanerkirche in Erfurt
19.00 Treffen der Scientific Unit for Digital Resources of the Corpus Vitrearum

Dienstag, 16. Juli 2024 · Kolloquium

Erfurt, Dom, Coelicum

8.30–10.00 Besichtigung des Augustinerklosters in Erfurt
10.30–12.30 Sektion II: Formen des Sehens (Teil 1)
  • Wojciech Bałus, „Fülle“ und „Form“: Zur Sichtbarkeit der Glasmalerei
  • Lisa Horstmann, Schrift in der Glasmalerei – Bedingungen und Folgen der Unlesbarkeit
  • Günther Buchinger, Sehen und gesehen werden
  • David King, The East Window of the Lady Chapel at East Harling: Public, Private and Political Perceptions
12.30–13.30 Mittagspause im Domkreuzgang
13.30–15.30 Sektion II: Formen des Sehens (Teil 2)
  • Sarah Keller, Wappenscheiben in Wort und Bild: die Wahrnehmung älterer Glasmalereien in der Eidgenossenschaft des 18. Jahrhunderts
  • Sylvie Balcon-Berry / Karine Boulanger, Les perceptions multiples d’œuvres emblématiques: les verrières romanes de Châlons-en-Champagne (Marne)
  • Michael Burger, Auf der Suche nach dem Original. Die Sichtbarmachung des mittelalterlichen Zustandes der Glasmalereien von St. Patrokli in Soest
  • Sílvia Cañellas / Jordi Bonet / Xavier Grau, A New Vision of the Past: Stained-Glass Conservation in Medieval Barcelona Cathedral
15.30–16.00 Kaffeepause
16.00–18.00 Sektion III: Sichtbarmachung (Teil 1): Repräsentation / Rezeption
  • Christina Wais-Wolf, „Unser ganzes Land soll uns in den Gemälde-Fenstern herein leuchten in unsere Andacht; wir wollen in unseren Gebeten schauen in unser liebes, weites, schönes Oberösterreich“. Zu den „Sichtbarmachungs“-Strategien von Land und Leuten in den jüngeren Bildfenstern des Linzer Mariendoms
  • Jonás Armas Núñez, Les vitraux canariens. Le rôle des artistes locaux: du design insulaire de la création étrangère
  • Tomasz Szybisty, Verlorene Inhalte, verdeckte Botschaften. Kirchliche Glasmalereien in Oberschlesien in den Wirren der Geschichte
  • Marta Kamińska / Jie Wang / Matthias Schäfer / Silvia Zhang / Christophe Koeltgen, Stained Glass Windows in Shanghaiʼs Foreign Concessions. Conservation, Challenges and Public Perception
18.30 Öffentlicher Abendvortrag in Kooperation mit der Universität Erfurt:
Barbara Schellewald, Ecce vides quantus splendor – Vom Dunkel ins Licht – Erhellende Bildtechnik(en)
19.30 Aperó auf der Domterrasse

Mittwoch, 17. Juli 2024 · Kolloquium und Forum

Exkursionstag Schulpforte/Naumburg

8.00 Abfahrt nach Schulpforte
9.45–10.45 Besichtigung der Klosterkirche in Schulpforte
10.45 Weiterfahrt nach Naumburg
11.00–11.30 Kaffeepause / Registrierung für das Forum
11.30–12.15 Begrüßung
Grußworte
Allgemeine Einführung
12.15–13.00 Mittagsimbiss und Möglichkeit zur freien Besichtigung
13.00–15.00 Besichtigung des Naumburger Doms (Führungen)
15.00–16.30 Sektion III: Sichtbarmachung (Teil 2): Seherwartungen / Methoden der Rekonstruktion
  • Katrin Kaufmann / Sophie Wolf, Ins Licht gerückt ‒ acht Jahrhunderte Glasmalerei auf 30 m2
  • Anna-Maria Bálint, Was soll sichtbar(er) sein: Das Werk? Oder seine Geschichte? Restaurierungsethische Überlegungen zur Historizität von Ursprungswerk und seinem aktuellen Zustand am Beispiel dreier Fenster der St. Trinitatis Kirche zu Sondershausen
  • Pauline Parfait / Laurence Cuzange, Verrières de protection thermoformées: transmission et invisibilité
16.30–17.00 Kaffeepause
17.00–19.00 Sektion III: Sichtbarmachung (Teil 3): Seherwartungen / Methoden der Rekonstruktion und Wiedersichtbarmachung
  • Daphne Bederna, Großflächige Fehlstellenbehandlung am Beispiel der historistischen Glasmalereien aus dem Hohen Chor der Liebfrauenkirche zu Arnstadt
  • Henrike Schmidt, Malereirekonstruktion als Mittel zur (Wieder-) Sichtbarmachung einer mittelalterlichen Glasmalerei
  • Emma Groult / Claire Babet / Claudine Loisel, Notre-Dame de Paris: de l’urgence impérieuse à la restauration des vitraux
  • Oksana Kondratyeva, Stained Glass of Ukraine: (In)Visible
19.30–ca. 22.00 Dinner im Stiftsgarten des Naumburger Doms
22.00 Rückfahrt nach Erfurt

Donnerstag, 18. Juli 2024 · Kolloquium und Forum

Erfurt, Dom, Coelicum

9.00–11.00 Sektion IV: Materialität / Medialität
  • Michel Hérold / Claudine Loisel / Adèle Rellier / Barbara Trichereau / Allain Guillot, Les verres à filets colorés dits « vénitiens » : un marqueur visuel dans l’art du vitrail de la fin du Moyen Âge
  • Marta Hör / Hans-Jörg Ranz, Beobachtungen zu Maltechnik und Malschichtaufbau an einem Glasgemäldezyklus aus dem Bayerischen Nationalmuseum München. Das Passionsfenster der Minoritenkirche in Regensburg von 1350 − Lasuren und Rückseitenbemalung
  • Katrien Mestdagh, Stained Glass as Key Visual within Brussels Art Nouveau Architecture. A Post-Conservation Reflection on some Stained Glass Windows in Hotel Van Eetvelde and Hotel Hannon
  • Kjartan Hauglid / Christa Heidrich, Wie die Dunkelheit alles ins rechte Licht rückt: Emanuel Vigelands Rosenfenster in Akershus
11.00–11.30 Kaffeepause und Poster Session
11.30–13.30 Besichtigung des Erfurter Doms (Führungen)
13.30–14.30 Mittagspause im Domkreuzgang und Poster Session
14.30–16.30 Sektion V: Sichtbarmachung 3.0. Optische, fotografische und digitale Methoden
  • Paul Bellendorf / Ruth Tenschert / Katrin Wittstadt, Documenting with Shadows: On the Visualisation of Production Features in Stained Glass Windows
  • Claudia Sedlarz, Zoooom. Zur Sichtbarmachung von Glasmalerei durch digitale Fotografie
  • Sarah Pittroff, Räumliche Kontextualisierung mittelalterlicher Glasmalereien – Explorative Graphdatenanalyse zu mittelalterlichen Glasmalereien der Marburger Elisabethkirche (1235–1375)
In Vorgriff auf Sektion VII, 2
  • Sarah Fellows, Long Melford 15th century donors
16.30–17.00 Kaffeepause
17.00–18.30 Generalversammlung des Corpus Vitrearum
18.45 Orgelkonzert im Dom

Freitag, 19. Juli 2024 · Forum

Erfurt, Dom, Coelicum

9.00–10.30 Sektion VI: Sichtbarkeit und öffentliche Wahrnehmung
  • Dunja Kielmann, (Un)sichtbare Glasmalereien – das Verborgene erleuchten
  • Roberta Bollati / Elisabeth Huber / Bruno Mazzone / Isabella Monteforte, Erfassung einer Sammlung abmontierter Glasfelder aus der Basilika von San Francesco in Assisi und Einrichtung eines geeigneten Lagerraums
  • Brianne Van Vorst, The Resurrection Revealed
10.30–11.00 Kaffeepause
11.00–13.00 Sektion VII: Sichtbarkeit – restauratorische und kunstwissenschaftliche Aspekte (Teil 1)
  • G. Bartolozzi / Valerie Bertuzzi / Americo Corallini / E. Gualini / B. Salvadori / Silvia Silvestri, Visibilité et restauration: problèmes, recherche et solutions innovatives pour deux vitraux du XVe et XVIe siècle dans la basilique de San Petronio à Bologna
  • Katrin Wittstadt / Falko Bornschein / Magdalena Roth, „Siehe da, es hat sich gelohnt!“ – Vom Einsatz des Konservierungsmaterials Glas-ORMOCER©
  • Alexandra Rodrigues / Inês Melo / Filomena Macedo Dinis / Luís Soares / Márcia Vilarigues, Clearing the View: Optimising Cleaning Methods for Biocolonised Stained Glass
  • Carla Machado / Linda Kvarnström / Luís C. Alves / Amanda Sörhammar / Márcia Vilarigues / Teresa Palomar, The Stained Glass Windows from Uppsala Cathedral (Sweden): First Analytical Approach
13.00–14.00 Mittagspause im Domkreuzgang
14.00–16.00 Sektion VII: Sichtbarkeit – restauratorische und kunstwissenschaftliche Aspekte (Teil 2)
  • Marco Demmelbauer / Roberta Bollati / Maria Gargano / Elisabeth Huber, Multidisciplinary Approach to Stained Glass Restoration: The Case of the Nineteenth-Century Stained Glass Windows of the Baptistery of the Cathedral of Pisa
  • Barbara Trichereau / Claudine Loisel / Elisabeth Pillet / Michel Hérold / Guy-Michel Leproux, Regards croisés pour la connaissance des verres et des peintures des vitraux du XVIe siècle de la Sainte-Chapelle de Vincennes
  • Margot Steurbaut, A Fragmentary Legacy: Visualizing the Oeuvre and Working Methods of Prolific Seventeenth-Century Glasspainter Abraham van Diepenbeeck
16.30–18.00 Besichtigung der Barfüßerkirche und Dominikanerkirche in Erfurt

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